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Der weibliche Zyklus

Grundvoraussetzung für das Eintreten einer Schwangerschaft ist das Heranreifen einer Eizelle und deren Freisetzung in den Eileiter nach dem Eisprung (Ovulation).

Bei der Frau sind alle Eizellen bereits vor der Geburt angelegt.

Von den ursprünglich 3-4 Millionen angelegten Eizellen sind bereits bei der Geburt nur noch 10% vorhanden. Zum Eisprung gelangen von der Pubertät bis zu den Wechseljahren maximal 400 Eizellen. Der Rest geht zugrunde.

 

Eizellzahl, Ovarialinsuffizienz, Zyklus, Zyklusstörung, Kinderwunschzentrum Nürnberg 

 

Die Regulation des weiblichen Zyklus erfolgt im Gehirn

Im Hypothalamus, einer spezialisierten Region im Zwischenhirn, erfolgt unter normalen Umständen die pulsatile Freisetzung des Hormons Gonadoliberin (GnRH). Alle 90 Minuten wird von dort GnRH in kurzen Pulsen in das lokale Blutgefäßsystem freigesetzt, von wo aus es zur Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gelangt und dort die ebenfalls pulsatile Freisetzung von Follikel-stimulierendem Hormon (FSH) und Luteinisierendem Hormon (LH) auslöst.

Die pulsatile Freisetzung von GnRH steuert die Follilelreifung im Eierstock.

Die Freisetzung in Pulsen ist von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines normalen Zyklus. So führt sowohl die Hemmung der GnRH-Freisetzung im Rahmen einer hypothalamischen Ovarialinsuffizienz, wie auch eine Dauerstimulation mit GnRH-Analoga, wie sie zur Behandlung hormonbedingter Erkrankungen (Brustkrebs, Prostatakrebs, Endometriose) eingesetzt wird, zur Unterdrückung der Eizellreifung im Eierstock und Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe)

 

Follikelreifung, GnRH, FSH, LH

 

 

Die erste Zyklushälfte (Follikelphase)

Der Zyklus beginnt rechnerisch am ersten "richtigen" Menstruationstag. Schmierblutungen, wie sie bei vielen Frauen vor Beginn der Menstruationsblutung auftreten, zählen noch nicht.

Unter Einfluss von Follikel-stimulierendem Hormon (FSH) kommt es zu einer Stimulation der im Eierstock vorgereiften Follikel (Follikelkohorte). Abhängig von Lebensalter und ovarieller Reserve können dies pro Monat bis zu 300 Follikel sein. Ab dem 7. Zyklustag kommt es dann über noch nicht im Detail geklärte Mechanismen zur Selektion eines dominanten Follikels.

Dieser dominante Follikel wird unabhängig von der FSH-Stimulation und wächst von nun an um etwa 2 mm pro Tag. Gleichzeitig produziert er exponentiell ansteigende Mengen des weiblichen Geschlechtshormons Östradiol.

Gebraucht wird das Östradiol vor allem für den optimalen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die von diesem Zeitpunkt an kontinuierlich wächst. 

Die hohen Östradiolspiegel und das ebenfalls aus dem Follikel freigesetzte Hormon Inhibin hemmen die GnRH- und somit auch die FSH-Freisetzung aus dem Gehirn. Die Folge ist, dass die restlichen Follikel "verhungern" und zugrunde gehen.

Durch eine Ovarielle Stimulationstherapie mit Gonadotropinen, wie wir sie im Rahmen der IVF/ICSI-Behandlung einsetzen, können die übrigen Follikel "gerettet" und ebenfalls zur Reifung gebracht werden.

Wenn die Östradiolfreisetzung des dominanten Follikels über 48 Stunden eine gewisse Grenze überschreitet, werden aus der Hirnanhangsdrüse schlagartig große Mengen an Luteinisierendem Hormon (LH) freigesetzt (LH-Peak), was den Eisprung (Ovulation) einleitet.

Die Ovulation findet normalerweise in Zyklusmitte (12.-14. Zyklustag) statt.

 

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Der Eisprung (Ovulation) 

Der midzyklische LH-Peak triggert am sprungreifen Follikel drei sequenzielle Effekte.

Zunächst kommt es zur Umwandlung des Follikels in den Gelbkörper. Hierbei werden in kürzester Zeit die "Programme der Follikelphase", die auf die Reifung einer optimalen Eizelle und die Produktion von Östradiol zielten, abgeschaltet und durch die völlig unterschiedlichen "Programme der Gelbkörperphase" ersetzt. Ziel ist hierbei die rasche Versorgung der Gebärmutterschleinhaut mit großen Mengen an Progesteron. Hierzu werden zum einen die "Produktionsprogramme" der Zellen auf Progesteronproduktion umgestellt, das von diesem Zeitpunkt an im Blut messbar ist und dort rasch ansteigt. Gleichzeitig findet auch im großen Stil eine Gefäßneubildung (Angioneogenese) um den Gelbkörper herum statt, mit dem Ziel die logistischen Voraussetzungen für den Abtransport der hohen anfallenden Progesteronmengen zu schaffen.

Die rasche Versorgung des Organismus mit großen Mengen an Progesteron als Voraussetzung für eine Schwangerschaft ist eine logistische Meisterleistung !

Zum Zweiten kommt es zu einer Ausreifung der Eizelle (Oocyte), die bislang über viele Jahre in der ersten Reifeteilung arretiert an der Follikelwand haftete.

Unter LH-Einfluss kommt es zur Vollendung der ersten meiotischen Reifeteilung und zum Eintritt in die zweite meiotische Reifeteilung, die wiederum erst nach der Befruchtung mit einem Spermium vollendet wird. In der Folge löst sich die Eizelle von der Follikelwand ab und schwimmt nun frei in der Follikelflüssigkeit.

Der Eisprung selbst erfolgt beim Menschen dann durch eine enzymatische Andauung der Follikelwand, wodurch eine Schwachstelle geschaffen wird an der dann die Eizelle freigesetzt werden kann.

36-40 Stunden nach Beginn des LH-Peaks kommt es schließlich zum Eisprung (Ovulation) bei der die reife Eizelle in den Eileiter freigesetzt wird.

 

 Ovulation, Luteinisierung, LH

 

 

Die zweite Zyklushälfte (Gelbkörperphase, Lutealphase)

Die Gelbkörperphase ist gekennzeichnet durch die Produktion großer Mengen an Progesteron, das unbedingt für den Umbau der in der ersten Zyklushälfte aufgebauten Gebärmutterschleimhaut in ein "Kuschelnest für den Embryo" benötigt wird (Die Einnistung des Embryos (Implantation)) . 

 

Ohne Progesteron ist eine Schwangerschaft unmöglich.

 

Aus diesem Grunde ist eine hinreichende Gelbkörperfunktion extrem wichtig für das Zustandekommen einer Schwangerschaft. Die Progesteronkonzentration im Serum sollte > 10 ng/ml betragen. 

Die Abklärung, ob eine normale Gelbkörperfunktion vorliegt, erfolgt im Rahmen der KInderwunschabklärung (Diagnostischer Zyklus).  Ggf. kann eine Lutealphasensubstitution mit Progesteron erfolgen.

  

 Gelbkörperphase, Corpus luteum, Progesteron

 

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